Woran erkennst du, dass ein Teil wirklich aus den 90ern ist?
Echte 90er Jahre Kleidung erkennst du nicht am Look, sondern an dem, was im Teil steht: am Etikett, am Druck und am Logo. Jedes davon gibt einen Hinweis, keins allein ein festes Datum. Wie das aussieht, zeigen Teile, die bei uns lagen.
Was verraten Jahr und Name im Druck?
Das Jahr im ©-Vermerk ist nach US-Urheberrecht das Jahr der ersten Veröffentlichung des Werks. Es sagt also, wann das Motiv zuerst erschien, nicht, wann das Teil gedruckt wurde.
Auf einem weißen Sweatshirt von Delta sangen die Looney Tunes mit Weihnachtsmützen unter einer Laterne. Rechts unter dem Motiv stand klein „TM & © 1993 Warner Bros.“. Älter als 1993 kann dieses Motiv also nicht sein.
Auch ein Teamname grenzt die Zeit ein. Die Raiders zogen laut Pro Football Hall of Fame 1982 nach Los Angeles und nach zwölf Saisons zurück in ihre alte Stadt. Ein schwarzes Sweatshirt von Hanes trug in großen Buchstaben „Los Angeles Raiders“ und darunter einen Helm. Der Name auf der Brust verweist damit auf diese zwölf Saisons.
Was steht auf dem Made-in-Etikett?
Wo das Teil gemacht wurde und woraus es besteht. Ein Textil in den USA braucht nach US-Gesetz ein lesbares Etikett mit den Fasern und dem Land, in dem es hergestellt wurde.
Manchmal nennt es zwei Länder. Ein pinkes Shirt von Mickey & Co. trug „Fabric made in U.S.A., sewn in Jamaica“: Stoff aus den USA, genäht auf Jamaika.
Beim Material lohnt der zweite Blick: Das Etikett nennt die Fasern, beim Raiders-Sweatshirt von Hanes etwa 50 % Baumwolle und 50 % Polyester. So weißt du vor dem Kauf, ob ein Teil reine Baumwolle ist.
Woran erkennst du am Etikett ein Basic-Shirt aus den 90ern?
Ein festes Jahr steht dort nicht. Eins spricht aber gegen die 90er: ein Nacken ohne eingenähtes Etikett, auf den Größe und Pflegehinweise gedruckt sind.
Laut der Vintage Fashion Guild brachte Hanes 2002 die erste T-Shirt-Linie ohne Etikett heraus, der Aufdruck wurde danach schnell Standard der Branche. Hanes hatte dafür ein Verfahren entwickelt, das Pflegehinweise und Größe per Hitze direkt auf das Nackenband bringt. Ein Shirt mit aufgedrucktem Nacken stammt also kaum aus den 90ern.
Das schwarze Raiders-Sweatshirt von Hanes trug dagegen ein eingenähtes Etikett mit dem Schriftzug „Hanes Activewear“. Umgekehrt beweist ein eingenähtes Etikett allein noch kein Alter.
Was verraten Logos über das Alter?
Manche Logos haben ein Startjahr, andere nicht. Die Linie Equipment, kurz EQT, kam laut adidas 1991 auf den Markt. Das Trefoil dagegen zeigt adidas seit 1972 und heute auf der Originals-Kollektion, es allein datiert also kein Teil. Adidas Vintage kommt regelmäßig bei uns rein.
Bei einer lila Sportjacke in Colorblock steckte das Logo an drei Stellen: auf dem Etikett im Kragen, umrahmt von „Worlds Finest“, am Anhänger des Reißverschlusses und als Band über beide Schultern. Vintage Kappa kommt ebenfalls regelmäßig rein.
Sweatshirts und andere Kleidung der 90er Jahre findest du bei den Vintage Sweatern & Hoodies, bedruckte Shirts bei den Vintage Graphic Shirts. Teile aus dem Jahrzehnt danach liegen bei der Y2K Kleidung.
Von Grunge bis Hip-Hop: wie zog man sich in den 90ern an?
Lässiger als je zuvor im 20. Jahrhundert. Laut dem Modegeschichte-Archiv des Fashion Institute of Technology (FIT) in New York trugen Frauen wie Männer Anfang der 90er Grunge. Weite, übergroße Kleidung und Jeans wurden zum Standard.
Daneben wurde Anfang der 90er der Minimalismus zum führenden Trend: schlichte Schnitte und neutrale Farben, schreibt das Museum at FIT. In der Herrenmode brachten Hip-Hop und Rap vor allem Sportswear: Baseballkappen, Jacken, Basketballshorts, Trainingsanzüge und Hoodies. Weil Männer sich insgesamt lässiger kleideten, wurde Sportswear alltagstauglich.
Anfang der 90er kamen außerdem Stile der 60er und 70er zurück, etwa Miniröcke und Schlaghosen. Britpop belebte den Mod-Stil der 60er neu. Ein Teil im Retro-Look kann also aus den 90ern stammen, deshalb sagen Etikett und Druck mehr über sein Alter als der Schnitt.
Wie sieht ein Grunge-Outfit der 90er im Original aus?
Ein übergroßes Flanellhemd, manchmal über einem T-Shirt, dazu Jeans: So beschreibt das FIT den Look von Bands wie Nirvana und Pearl Jam. Dazu kamen Mützen, Bandshirts und gemusterte Strickpullover. Kurt Cobain trug Cardigans und Löcher in der Jeans.
Entstanden ist Grunge Ende der 80er in Seattle, Anfang der 90er war er weit verbreitet. 1993 brachten Designer den Look auf den Laufsteg, ab Mitte der 90er ließ er nach. Die Lust auf Vintage brachte damals mehr Secondhand-Läden hervor, schreibt das FIT, und dort kaufte man auch für Grunge ein.
Wie das aussah, zeigt das Victoria and Albert Museum in London. In seiner Sammlung liegen Teile eines Outfits, das 1994/95 in der Ausstellung „Streetstyle“ als „Grunge 1988–90“ zu sehen war. Das blaue karierte Wollhemd darin stammt aus den 1950ern, die Jeans mit Rissen am Knie aus den 1980ern.
Ein Grunge-Look allein belegt also nicht, dass ein Teil aus den 90ern stammt. Hemden dafür findest du bei den Vintage Hemden.
Weite Jeans oder Cargo: welche Hosen trug man in den 90ern?
Vor allem Jeans. Laut FIT waren Jeans und über der Hose getragene Hemden die typische Freizeitkleidung der Männer, Grunge setzte auf weite, abgetragene Jeans.
Im Lauf des Jahrzehnts kam die Cargohose als Alltagshose dazu. Sie wurde zum Basic für alle Generationen und trug laut FIT dazu bei, dass der Jeansmarkt stark schrumpfte. Später im Jahrzehnt trugen Männer neben Jeans auch Khakihosen, beide gern zu Sakko und Hemd.
Bei jungen Frauen hielten sich Anfang der 90er noch Radlerhosen und Leggings aus der Sportswear der 80er. Ab 1996 wurde der Boho-Look in der Damenmode zum bestimmenden Trend. Mit ihm kamen tief sitzende Jeans, die dann die 2000er prägten.
Jeans findest du bei den Vintage Jeans, weitere Hosen bei den Vintage Hosen.